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Text zum Tag der Frau 2015

Schau
der Wintersee rollt seine
grauschwarz schimmernde Seide aus
Unter dem Schneehimmel zeichnen
kleine Schiffe in stiller Fahrt hier
eine Geschichte auf. Sie erinnert an
Hoffnungsblau und Sommerlachen
und während der Wind an den Rändern
der Flüsterwasser einen Zackensaum
aus erstem Eiskristall webt, leuchtet
zwischen dem Raureiffiligran geknickter
Gräser Dunkles und Unerlöstes auf.
Ein Schauder legt sich in den Tag,
doch wie einem geheimen Ruf gefolgt,
steht am Ufer die Winterfrau,
zieht ihre Schuhe aus, durchtanzt
mit nackten Füssen das nur scheinbar Starre
und nimmt es in Liebe in sich auf.

Copyright: Maryse Bodé /Text & Bild

 

 

Aufbruch

Springt ein Wort des Staunens
in uns auf, wenn unsere innerste Quelle
höher mit uns ans Licht will

oder liegt schon im Flüsterblau
unseres Miteinander-Schweigens
die neue Weite

im Grün unserer
wortlos ausgestreckten Hand
der Segen

Text & Bild
Maryse Bodé

 

 

Sommerabschied

Ich habe geträumt
ich sei eine Libelle so wunderbar leicht
zwischen Goldstrahlen schwebend

Ich sei ein Kobaltschimmer
der über windbewegtem Schilf aufblitzt

Ich sei eine hochgeworfene Welle
die das Abendlicht spiegelt
und ein Lächeln
am Saum der grünen Wasser berührt

Text & Bild: Maryse Bodé

 

 

Diese Nacht will ich schlafen
in einem tiefen Ultramarin 
von jenseits der Meere
will alles still werden lassen &
 die Fülle aus vergangener Zeit 
sammeln in einem Türkiskokon
aus Seidentraumfaden
Hoffnungen umzüngeln
wärmend den Herzkern
und tief innen bricht
Befreiendes durch: 
Ein Lachen!

Text & Bild: Maryse Bodé
Cawdor Castle Scotland

Turbulenz

Fallende Himmel
stürmen mit Grau und Schwarz
an uns vorbei
bäumen sich im Sturm
holen uns ins Schauen

Am Wegrand
ein leuchtendes Gelb
gibt mit zerfetztem Blau
im Wolkenspiel
dem Tiefe
was gerade
durch uns zieht

Maryse Bodé
Bild: Beatrice Vogler, Bildhauerin ZH

 

Etwas Hohes spiegelt sich im Fluss und ich denke:
Alles den Fluss hinab, alles hinab, das Festgefahrene,
die Ideefixe, das Vague, das was dauernd
in der Schwebe bleibt, das Undurchdringliche,
das Verräterische, alles hinab und nur die offenen
Ohren behalten, das liebende Herz, den Mund fürs
Küssen, die Hände, um auf neuen Inseln Fuss zu fassen,
wo das Blühende heiliggesprochen wird

Text: Maryse Bodé
Bild: Manuel Kleinert

Ankommen

Mit verblüffender Lust am Fremdsein
halten wir uns Aug in Aug mit dem Berg
all das geduckt Lauernde
einengend Altvertraute vom Leib

Erkennen
unter dem Liederbaum nah beim
alten Klostergemäuer Feierliches
im Abendgeläut
Im Tal prescht derweil bedrohlich
zwischen schroffer Felswand
und schwarzem Koloss
eine grell blitzende Autoschlange vorbei

Doch wie zum Schutz hüllen uns bald
lichtvoll frohe Gesänge ein
Zwischendurch erinnert so manches
an den Sonnensegen des Franziskus
an Wanderlied und Tiere

Und staunend nehmen wir
ohne zu zögern seine Schafe auf
weiden sie in Sanftmut hoch über dem Tal
am neuen Ort daheim

Text: Maryse Bodé
Ausstellungsbild MB Kunsthaus Zürich: Pipilotti Rist

Das Verborgene

Traumwald
Tausendsassa-Wald
geheimnisvoller Geliebter
Unter deinen Fittichen
Spannung pur
In unsichtbarer Gelassenheit
rätselhaftes Schweigen
und etwas wie Gebet im Geäst
Etwas holt Anlauf, wagt den Sprung
von Baum zu Baum
Etwas neigt sich der Wurzelwelt
dem Wunderwerk Erde zu
wo unter Moos und Gestrüpp
nah bei den Hecken, bei Waldmeister
und Schlüsselblume
geflirtet und geflüstert wird

Text & Bild: Maryse Bodé

Plötzlich nachts
dieses seltsame Gehen
zwischen Nebeln
in denen Blitze zucken
Ein Balanceakt
zwischen Hell und Dunkel
Unten grelle Sonne von
dunklen Wassern gespiegelt
oben blühende Erde zerfetzt
Alles scheint Kopf zu stehen um
sich im nächsten Augenblick wie
in Fieberträumen herumzuwerfen
Und ganz ohne ein Wort
oder Gebrüll taucht Angst auf
und die Frage: in was erwachen
auf welches Land die
Lichtfüsse setzen wenn ein
Fluchtgedanke hochkommt

Text: Maryse Bodé
Bild:  Jörg Studer, Mudam Luxemburg

 

Wie früher die Waldklause aufsuchen.
Einkehr halten an einem Ort, der aus Raum und Zeit
gehoben, unter grossen Baumkronen leuchtet.
Dort steht mein Türkistisch aus allerlei Leben und
die Hängematten sind aus maigrünen Zweigen geflochten. 
Du bist da, Hoffnungsengel meiner Kindertage,
hüllst alles ein, was Zweifel ist und Schmerz, und
im sanften Wind bläht sich ein Vorhang…fällt.
Frühling reisst die Himmel auf, ankert auf
Moosteppichen, lockt Anemonen ins Blühen
und mit all dieser sprühenden Kraft
steht das Geheimnis Welt neu in mir auf: 
Es bleibt mir Wunder

Text & Bild: Maryse Bodé (kein Copyright)

Zukunftskind
Mein Ort aus Stimmen, Zeichen und Klang,
in dem etwas wie neue Weite Unerhörtes einübt.
Die Brücken über den Schauder der Zeit sind gebaut
und gesegnet. Auf kleinen Wegen sprengt die Weide
mit sich bäumenden Wurzeln dem Asphalt alles
Starre und Einengende weg.
Etwas taumelt im Anflug der Elstern und Raben
schüttelt sich, steht wieder auf, reckt sich und legt
der Birke ganz unerwartet einen Schimmer aus Gold
ins Leuchtnetz der Krone.
Wenn der Star heimkehrt ist unter den Baldachinen
aus erwachenden Zweigen die Blütensaat gestreut,
die diebische Schwärze verscheucht…Du bist da
Zukunftskind mit leuchtenden Augen, bringst dem
Herz der Welt dein Lied und Lächeln dar und in den
diffusen Spiralnebeln der Nacht hüpfen wir im
Himmel-, Welt- und Hölle-Spiel von Stern zu Stern.

Text & Bild: Maryse Bodé (kein Copyright)

Garten der Stille

Die Sternensprache
die verstummte
die feinen Laute der Kraft
die verlernten
neu zum Klingen bringen

Und neu zu Wort kommen
mit dem was auch aus
Tier und Engel spricht
Mit einer Ahnung von Frühling
den Garten der Stille
bewohnen

Zartes Geläut
aus ersten Blüten
kündet eine Flüsterstimme an
In ihr wohnen die
Wogen des Unsichtbaren

Text: Maryse Bodé
Bild: Mechtild Mathis Jörissen

 

Unser Haus
ein Haus aus Licht
und Pergament
mit einer Kristalltreppe
als Himmelsleiter
auf der ein sanftes Lied
die Stufen auf und ab geht

All die langen Wege
die Vernetzungen
die kleinen und
grossen Dinge
sind in diesem Haus
zur Ruhe gelegt

Sie flüstern und
blühen  uns ins Herz

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Verweist uns das Leben nicht immer öfter
auf das Licht, das wir selbst, mit den Farben
des jeweiligen Augenblicks geheimnisvoll
aus uns heraus zum Leuchten bringen können?
Es scheint, dass die 'Raster' im Aussen
immer öfter verschwinden und wir in eine
ungeahnte Weite entlassen werden, in
dieses Jetzt, in dem das Leben von Augenblick
zu Augenblick neu zu erfinden ist

Text & Bild: Maryse Bodé

Nebelgold
Was stürzt jetzt in den Tag
atmet hinter allem, liegt auf der Lauer,
gibt sich noch nicht zu erkennen?
Hat es Flügel? Hat es Dornen?
Ist es erschreckend oder sanft?
Noch weiss ich nicht, ob es Lichtes ist
oder ganz Schweres,
das uns weit macht und frei.
Doch plötzlich leuchtet Schwarzes
auf Weiss im Nebelgold und ich sehe:
Es wird immer beides sein, das Lichte
und das Schwere, das uns
verwandelt höher nimmt / Maryse Bodé

Bild: ART-mixt

Herbstzeitloses

Lass los
lass wieder einmal
alles von dir fallen
das Warten
das Hoffen
Werde still
schweige
steige in ein
neues Geschehen
wo ein Hauch
von Herbstzeitlosem
dich sanft umfangen will
wenn die Schwalben
mit deinen Träumen
über alle Berge sind

Text & Bild: Maryse Bodé

WAS
gibt es auf dem Berg noch zu sagen?
Der Berg wirft sein Bild in den blauen See
und hält seinen Kopf in die Wolken
Wie es scheint räkelt er sich sogar
ein wenig in den Stürmen, dann
wenn unsichtbare Kräfte an ihm feilen
Er ist wie er ist der Berg
und ich bin wie ich bin nah am Berg
immer hochschauend, das Ohr
nah an seinem inneren Pochen
den Rücken des Berges gut
unter meinem Fuss
Manchmal umrunde ich ihn

Text & Bild: Maryse Bodé

Mare Blu
Ein Kopfsprung ins Türkismeer und ich sah Welten zueinander wachsen 
und sich vermischen. Sah uralte Olivenbäume plötzlich entwurzelt als 
Lichtkörper um uns schweben. Sah flechten-bewachsenes Urgestein sich 
hin zu neuen Gewässern bewegen und sah etwas unendlich Liebendes 
strahlend zwischen Galaxien aus Licht nicht müde werden uns immer neu 
Sterne ins Herz zu pflücken. Maryse Bodé

Terra Santa

Den Fuss 
auf heilige Erde
gesetzt

Tief im Wurzelwerk 
alter Bäume

wohnen die Gesänge
der Insel

Text & Bild: Maryse Bodé

Atembild mit Rosen
darin dein Ruf

kommt mit Purpur
über Blütenwiesen
 
entlockt mir Antwort
 
die als Lächeln 
den Bogen spannt

vom Anfang zum Ende
und zurück zum Beginn

Text & Bild: Maryse Bodé
Akelei
 
Unter der Trauerschicht, weisses Licht. Darin schwebend das Blau der Akelei. Ist dein Gruss von Welt Blume oder aus Ewigem dort. Oder dein zartes Sein als Zeichen von Ewigem hier und dort, das die Taubschicht sprengt und uns neues Lächeln gebärt.
 
Text & Bild: Maryse Bodé
 
 
Eine Frühlingswiese
betreten als wären 
die hohen Gräser 
der Kindheit 
zurückgekehrt
 
Text & Bild:
Maryse Bodé

Ostererwachen

Etwas hat sich in den hohen Bäumen eingefunden etwas das mehr ist als das erfrischende Lied der Amsel mehr als der kecke Ruf des Stars

Es wohnt dem Mond an der sich wölbenden Brust und geht mit einer tiefatmenden Stille einher 

Im Traum hat es bereits Gestalt und wiegt das Geheimnis Welt auf neuer Ebene während uns Blütenschiffe ans Herztor fahren

Text: Maryse Bodé
Skulptur: Arthur Schneiter

Im Urklang
die Weltmutter
 
atmet uns ein und aus
treibt uns Galaxien
aus Licht und Schatten
unter die Haut
bis wir aus weiblicher Kraft
den Lebensfaden
neu spinnen

das Versöhnungsgesetz
für eine raue Zeit
und im Weitergehen
das Wort der Frühlingsfrau
sprechen
den federleichten Ruf:

Komm
komm mir auf die Spur

Maryse Bodé