Monatstext für Juni 2017
Zum Bruder Klaus Jahr
Monatstext für Mai 2017
Ostertext 2017
Monatstext für April 2017
ZusatztMonatstext März 2017
Monatstext für März 2017
Monatstext für Februar 2017
Monatstext für Januar 2017
Advent 2016
Monatstext für November 2016
Monatstext für Oktober 2016
Monatstext für September 2016
Monatstext für August 2016
Monatstext für Juli 2016
Monatstext für Juni 2016
Monatstext für Mai 2016
Monatstext für April 2016
Monatstext Ostern 2016
Monatstext für März 2016
Monatstext für Februar 2016
Monatstext für Januar 2016
Weihnachtstext 2015
Monatstext für Dezember 2015

Sommer

Unter hohem Himmel
Blütenworte an den Tag schreiben

Mit ausgestreckter Hand
leuchtenden Wolkenrändern
nachfahren

Wie zufällig
den Flug des Vogels berühren

Wie leicht sein Steigen
und Fallen, sein Querwindein-
Segeln ist

und zögernd noch begreifen
dass dieses Spiel aus Steigen
und Fallen uns
dem Geheimnis Leben
näher in die Arme treibt

Text & Bild: Maryse Bodé
Aus Herzgrün über Türkis
 

Mysterium oder Was uns nährt
(Bruder Klaus - Eremit - Mystiker)

Antlitz im Strahlenkranz
Hohes Schweigen
Sonnenton und Gnade
Alles kreist - reisst die Himmel auf
Herab, herab rauschende Stille
trägt uns barfuss
gegen den Strom zur Quelle
Sanftmut wird Brot im Tag
nährt Zonen des Friedens
wo das Licht heller blüht
als allgemein angenommen

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Nacht, viel Nacht
Nachtmensch, Nachttier
Nachtstille und die Nacht wiegen
Erinnerung, eine ferne Glocke
schlägt Eins und was von Salve
und Sanctus geblieben ist
neigt sich uns auf Nachtinseln zu
Nachtwind wölbt den Blütenvorhang
hinter dem das Wort Heimat blinkt
Ein Tag- & Nacht-Wort wie ein Waldtier
wild, scheu und stark
auf der Lauer, auf dem Sprung
mit all den Schichtungen
Konstellationen, unerklärlich rundum
In der Früh blitzt im Baum
helles Grün, legt sich uns mit
blauem Licht unter die Füsse

Text: Maryse Bodé
Bild: VideoInstallation Pipilotti Rist

Ostererwachen

Etwas hat sich in den hohen Bäumen
eingefunden. Etwas das mehr ist als das
erfrischende Lied der Amsel, mehr als der
kecke Ruf des Stars, etwas das dem Mond
in dieser Nacht an der sich wölbenden 
Brust wohnte und jetzt in mir das Hohe Lied
der Liebe anstimmt, um das Geheimnis Welt
auf neuer  Ebene zu wiegen, während mir
Blütenschiffe ans Herztor fahren.

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Zuspruch

Ein Morgenfrühknistern
in den Himmelsschleiern
Licht fächert sich auf
weckt die Krokusse
Mit Gelb, Lila und
jauchzendem Grün
schiessen sie uns ins Blickfeld
locken Lauschknospen
aus dornigem Gestrüpp

Rosen haben nie aufgehört
sich neu zu erfinden
auch die Bäume nicht
Noch atmet in ihnen
Himmel und Erde
und etwas unsichtbar Liebendes
treibt auch uns immer neu
Frühlingskraft und Blühendes
ins Werden
streut heilendes Gold
über Weltchaos und Schmerz

Und während sich in allem was lebt
Hell und Dunkel
immer heftiger umarmen
rauscht uns etwas geheimnisvoll Heiliges
als Zuspruch
in die grossen Fragen

Text & Bild: Maryse Bodé

Märzszenerie

Eis im Firn

Märzszenerie mit sich bäumenden Lawinentieren
aber tief innen immer auch Freudentaumel
und Tanz mit flüchtigen Sonnenbildern

Längst vom Sturm gefeilt
hauen wir mit dem nahen Frühling
auf die Erneuerungspauke

Blüten und Knospen spitzen die Ohren
auf frei gekratztem Grün grasen Rehe

Text & Bild: Maryse Bodé

 

Frühlingsahnung

Flüstern im Bambus
Etwas Hohes atmet hier Licht
Der Vorhang geht auf

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Silent blue:

Eine hörbare Bergstille
mit auf den Weg
durch eisige Zonen nehmen
Fuss vor Fuss setzen und
eine neue Spur ziehen
Im Herz schmelzen
wärmende Worte zusammen
auch wenn sie nie
über die Lippen kamen

Text & Bild: Maryse Bodé

Auf geschundener Erde
einen Raum bewohnen
aus Licht und Stern
Die Bäume darin
neigen sich uns zu
Und aus dem goldenen Kern
der Raunächte
wächst die Stimme
verschollener Menschen
und die der Tiere
Etwas Hohes
spricht sich uns zu
ist höher als Himmel
Ein Wort mit Flügeln
im Weltherz erwacht
Hoffnung, hope  espoir

Copyright: Maryse Bodé

Schau
der Wintersee rollt seine
grauschwarz schimmernde Seide aus
Unter dem Schneehimmel zeichnen
kleine Schiffe in stiller Fahrt hier
eine Geschichte auf. Sie erinnert an
Hoffnungsblau und Sommerlachen
und während der Wind an den Rändern
der Flüsterwasser einen Zackensaum
aus erstem Eiskristall webt, leuchtet
zwischen dem Raureiffiligran geknickter
Gräser Dunkles und Unerlöstes auf.
Ein Schauder legt sich in den Tag,
doch wie einem geheimen Ruf gefolgt,
steht am Ufer die Winterfrau,
zieht ihre Schuhe aus, durchtanzt
mit nackten Füssen das nur scheinbar Starre
und nimmt es in Liebe in sich auf.

Copyright: Maryse Bodé /Text & Bild

 

 

Aufbruch

Springt ein Wort des Staunens
in uns auf, wenn unsere innerste Quelle
höher mit uns ans Licht will

oder liegt schon im Flüsterblau
unseres Miteinander-Schweigens
die neue Weite

im Grün unserer
wortlos ausgestreckten Hand
der Segen

Text & Bild
Maryse Bodé

 

 

Sommerabschied

Ich habe geträumt
ich sei eine Libelle so wunderbar leicht
zwischen Goldstrahlen schwebend

Ich sei ein Kobaltschimmer
der über windbewegtem Schilf aufblitzt

Ich sei eine hochgeworfene Welle
die das Abendlicht spiegelt
und ein Lächeln
am Saum der grünen Wasser berührt

Text & Bild: Maryse Bodé

 

 

Diese Nacht will ich schlafen
in einem tiefen Ultramarin 
von jenseits der Meere
will alles still werden lassen &
 die Fülle aus vergangener Zeit 
sammeln in einem Türkiskokon
aus Seidentraumfaden
Hoffnungen umzüngeln
wärmend den Herzkern
und tief innen bricht
Befreiendes durch: 
Ein Lachen!

Text & Bild: Maryse Bodé
Cawdor Castle Scotland

Turbulenz

Fallende Himmel
stürmen mit Grau und Schwarz
an uns vorbei
bäumen sich im Sturm
holen uns ins Schauen

Am Wegrand
ein leuchtendes Gelb
gibt mit zerfetztem Blau
im Wolkenspiel
dem Tiefe
was gerade
durch uns zieht

Maryse Bodé
Bild: Beatrice Vogler, Bildhauerin ZH

 

Etwas Hohes spiegelt sich im Fluss und ich denke:
Alles den Fluss hinab, alles hinab, das Festgefahrene,
die Ideefixe, das Vague, das was dauernd
in der Schwebe bleibt, das Undurchdringliche,
das Verräterische, alles hinab und nur die offenen
Ohren behalten, das liebende Herz, den Mund fürs
Küssen, die Hände, um auf neuen Inseln Fuss zu fassen,
wo das Blühende heiliggesprochen wird

Text: Maryse Bodé
Bild: Manuel Kleinert

Ankommen

Mit verblüffender Lust am Fremdsein
halten wir uns Aug in Aug mit dem Berg
all das geduckt Lauernde
einengend Altvertraute vom Leib

Erkennen
unter dem Liederbaum nah beim
alten Klostergemäuer Feierliches
im Abendgeläut
Im Tal prescht derweil bedrohlich
zwischen schroffer Felswand
und schwarzem Koloss
eine grell blitzende Autoschlange vorbei

Doch wie zum Schutz hüllen uns bald
lichtvoll frohe Gesänge ein
Zwischendurch erinnert so manches
an den Sonnensegen des Franziskus
an Wanderlied und Tiere

Und staunend nehmen wir
ohne zu zögern seine Schafe auf
weiden sie in Sanftmut hoch über dem Tal
am neuen Ort daheim

Text: Maryse Bodé
Ausstellungsbild MB Kunsthaus Zürich: Pipilotti Rist

Das Verborgene

Traumwald
Tausendsassa-Wald
geheimnisvoller Geliebter
Unter deinen Fittichen
Spannung pur
In unsichtbarer Gelassenheit
rätselhaftes Schweigen
und etwas wie Gebet im Geäst
Etwas holt Anlauf, wagt den Sprung
von Baum zu Baum
Etwas neigt sich der Wurzelwelt
dem Wunderwerk Erde zu
wo unter Moos und Gestrüpp
nah bei den Hecken, bei Waldmeister
und Schlüsselblume
geflirtet und geflüstert wird

Text & Bild: Maryse Bodé

Plötzlich nachts
dieses seltsame Gehen
zwischen Nebeln
in denen Blitze zucken
Ein Balanceakt
zwischen Hell und Dunkel
Unten grelle Sonne von
dunklen Wassern gespiegelt
oben blühende Erde zerfetzt
Alles scheint Kopf zu stehen um
sich im nächsten Augenblick wie
in Fieberträumen herumzuwerfen
Und ganz ohne ein Wort
oder Gebrüll taucht Angst auf
und die Frage: in was erwachen
auf welches Land die
Lichtfüsse setzen wenn ein
Fluchtgedanke hochkommt

Text: Maryse Bodé
Bild:  Jörg Studer, Mudam Luxemburg

 

Wie früher die Waldklause aufsuchen.
Einkehr halten an einem Ort, der aus Raum und Zeit
gehoben, unter grossen Baumkronen leuchtet.
Dort steht mein Türkistisch aus allerlei Leben und
die Hängematten sind aus maigrünen Zweigen geflochten. 
Du bist da, Hoffnungsengel meiner Kindertage,
hüllst alles ein, was Zweifel ist und Schmerz, und
im sanften Wind bläht sich ein Vorhang…fällt.
Frühling reisst die Himmel auf, ankert auf
Moosteppichen, lockt Anemonen ins Blühen
und mit all dieser sprühenden Kraft
steht das Geheimnis Welt neu in mir auf: 
Es bleibt mir Wunder

Text & Bild: Maryse Bodé (kein Copyright)

Zukunftskind
Mein Ort aus Stimmen, Zeichen und Klang,
in dem etwas wie neue Weite Unerhörtes einübt.
Die Brücken über den Schauder der Zeit sind gebaut
und gesegnet. Auf kleinen Wegen sprengt die Weide
mit sich bäumenden Wurzeln dem Asphalt alles
Starre und Einengende weg.
Etwas taumelt im Anflug der Elstern und Raben
schüttelt sich, steht wieder auf, reckt sich und legt
der Birke ganz unerwartet einen Schimmer aus Gold
ins Leuchtnetz der Krone.
Wenn der Star heimkehrt ist unter den Baldachinen
aus erwachenden Zweigen die Blütensaat gestreut,
die diebische Schwärze verscheucht…Du bist da
Zukunftskind mit leuchtenden Augen, bringst dem
Herz der Welt dein Lied und Lächeln dar und in den
diffusen Spiralnebeln der Nacht hüpfen wir im
Himmel-, Welt- und Hölle-Spiel von Stern zu Stern.

Text & Bild: Maryse Bodé (kein Copyright)

Garten der Stille

Die Sternensprache
die verstummte
die feinen Laute der Kraft
die verlernten
neu zum Klingen bringen

Und neu zu Wort kommen
mit dem was auch aus
Tier und Engel spricht
Mit einer Ahnung von Frühling
den Garten der Stille
bewohnen

Zartes Geläut
aus ersten Blüten
kündet eine Flüsterstimme an
In ihr wohnen die
Wogen des Unsichtbaren

Text: Maryse Bodé
Bild: Mechtild Mathis Jörissen

 

Unser Haus
ein Haus aus Licht
und Pergament
mit einer Kristalltreppe
als Himmelsleiter
auf der ein sanftes Lied
die Stufen auf und ab geht

All die langen Wege
die Vernetzungen
die kleinen und
grossen Dinge
sind in diesem Haus
zur Ruhe gelegt

Sie flüstern und
blühen  uns ins Herz

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Verweist uns das Leben nicht immer öfter
auf das Licht, das wir selbst, mit den Farben
des jeweiligen Augenblicks geheimnisvoll
aus uns heraus zum Leuchten bringen können?
Es scheint, dass die 'Raster' im Aussen
immer öfter verschwinden und wir in eine
ungeahnte Weite entlassen werden, in
dieses Jetzt, in dem das Leben von Augenblick
zu Augenblick neu zu erfinden ist

Text & Bild: Maryse Bodé

Nebelgold
Was stürzt jetzt in den Tag
atmet hinter allem, liegt auf der Lauer,
gibt sich noch nicht zu erkennen?
Hat es Flügel? Hat es Dornen?
Ist es erschreckend oder sanft?
Noch weiss ich nicht, ob es Lichtes ist
oder ganz Schweres,
das uns weit macht und frei.
Doch plötzlich leuchtet Schwarzes
auf Weiss im Nebelgold und ich sehe:
Es wird immer beides sein, das Lichte
und das Schwere, das uns
verwandelt höher nimmt / Maryse Bodé

Bild: ART-mixt